Zu Herman Anders Krüger

Herman Anders Krüger

Herman Anders Krüger ist ein Zeitgenosse dreier Epochen. Geboren im Gründungsjahr des Kaiserreichs 1871, durchlebte die Weimarer Republik von 1918 – 1933 und starb nach der Nazizeit Ende 1945. Sein Tätigkeitsfeld erstreckte sich auf drei Berufe, der Schriftsteller, der Politiker und der Wissenschaftler.

Er wurde in die Familie eines Predigers der Brüdergemeine geboren. Seine Kindheit und Jugend wurden dadurch geprägt. Aus wirtschaftlichen Gründen konnte er nur Theologie studieren, hat sich jedoch nach Beendigung des Studiums von der Brüdergemeine abgewandt. Nach kurzer Lehrertätigkeit studierte er in Leipzig Geschichte, Germanistik, Nationalökonomie und Geographie. Schon früh wurde sein Talent als guter Redner und Schriftsteller erkannt. Während des Studiums erschienen bereits mehrere Publikationen von ihm. Das Studium schloss er mit der Promotion ab.

Die nächste Station war Dresden. Hier war er lehrend und auch als Bibliothekar tätig. Hier erschien 1904 sein bekanntestes Werk „Gottfried Kämpfer“, das in über 100.000 Exemplaren verkauft und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Von Dresden folgte er einem Ruf an die damalige Technische Hochschule in Hannover, um dort als Professor für Literaturwissenschaft tätig zu sein. Aufgrund seines guten Verhältnisses zur Jugend übernahm er auf Wunsch vieler Eltern auch den Vorsitz des Wandervogels. Weitere Bücher erschienen in Hannover. 1908 wurde er von der „Germanistic Society of America“ als Vortragsredner dieses Jahres gewählt und besuchte die meisten der damaligen Universitäten in USA, um dort Vorträge zu halten.

Seine politische Tätigkeit begann 1910 als er von Hannover aus als gesamtliberaler Reichstagskandidat für den Bezirk Gotha aufgestellt wurde. Seine kritische Einstellung zur Politik der Kaiserzeit hinderte ihn nicht, sich 1914 freiwillig als Soldat zu melden. Er konnte nicht zurückstehen, wenn alle in den Krieg zogen.

Nach Beendigung des Krieges wurde er gebeten, der Deutschen Demokratischen Partei (Vorgänger der FDP) beizutreten und wurde anschließend in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Hier sprach er sich deutlich gegen kommunistische Bestrebungen aus, die in dem Gothaer Land die erste sowjetische Räterepublik installieren wollten. Als Staatsrat war er Mitglied der Thüringischen Landesregierung und hatte 1921 den Posten des Innenministers für ein Jahr inne. Zur gleichen Zeit übernahm er auch den Vorsitz der Gothaischen Landesbibliothek auf Schloss Friedenstein. Weiterhin war er Fraktionsvorsitzender der DDP, die zwischen Rot (Kommunisten und Sozialisten) und Schwarz (Konservative und Völkische) zu vermitteln suchten. Er wandte sich gegen den aufkommenden Antisemitismus und vor allem gegen die immer stärker werdenden Nationalsozialisten. Als die Gegensätze immer stärker wurden und die Liberalen an Einfluss verloren, verließ er 1929 die Politik. Es sei erwähnt, dass er für seine politische Tätigkeit nie ein Honorar annahm. Es war für ihn Ehrensache, der Allgemeinheit zu dienen.

Er ging nach Altenburg und wurde dort Bibliotheksdirektor. Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten ergaben sich neue Probleme. Er verweigerte den Hitlergruß und als er später unerlaubterweise schweizer Zeitungen in der Bibliothek führte, wurde er 1934 entlassen. Er zog sich nach Neudietendorf zurück und widmete sich der Schriftstellerei.  -   Seine Bibliographie umfasst ca. 30 Werke.

Der Text wurde verfasst von Gert Anders Krüger.                                                                                                 

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